Freitag, 19. August 2011

Amazon ist ein Verlag

Amazon hat den Ratgeber-Bestsellerautoren Tim Ferries unter Vertrag genommen, um nicht zu sagen, dem Verlag Random House ausgespannt. Mit seinen zwei ersten Bestseller „Die 4-Stundenarbeitswoche“ und „Der 4-Stundenkörper“ war Tim Ferries monatelang in der Ratgeber-Bestenliste, den dritten „Der 4-Stundenchef“ wird Amazon als Hardcover, Ebook und Audiobook herausbringen.

Auf das Einholen eines Konkurrenzangebotes hat Tim Ferries verzichtet. “It was a question of what future of publishing I want to embrace (aufsteigen auf). My readers are migrating (wandern) irreversibly (unwiderruflich) into digital, and it made perfect sense to work with Amazon ..."

Amazon lässt auf allen ihm zur Verfügung stehenden Kanälen verlauten, wie stolz sie auf diesen Fischzug sind. Keine Frage, sie sind nicht nur stolz auf Tim Ferries selbst, sondern darauf, den Schritt zum eigenständigen Publisher getan zu haben.

Wir sollten uns vor Augen halten, dass Amazon - bei aller Marktmacht - im Buchbereich nur ein Zwischenhändler gewesen ist, der sich die Konditionen bis ins Kleinste von den Papierbuchverlagen vorschreiben lassen musste.

Als das Buch digital wurde, war der Onlinehändler bei der Geburt dabei. Von der ersten Stunde an hat Amazon die Ebooks umarmt, in dem sicheren Gefühl, dass hier das Buchformat war, das sie auf die Überholspur bringen würde. Genauso ist es nun gekommen. Daher die nicht geringe Lautstärke der Ankündigung und die unverkennbare Genugtuung.

Für die traditionellen Verlage bedeutet das nichts Gutes.

Viel bedeutsamer, als dass Autoren dem Beispiel von Tim Ferries folgen werden, wird sein, dass jetzt andere Marktteilnehmer dem Beispiel von Amazon folgen werden. Auch Google oder Apple sehen sich mit einem Mal nicht mehr als Zwischenhändler im Buchgeschäft. Die Telekom, O2, MediaMarkt - alle haben sie ein wenig Speicherplatz übrig für das ein oder andere Bestseller-Ebook.

Ab jetzt hängen die Früchte tiefer. Ab jetzt stehen mehrere Leitern am Baum.

2 Kommentare:

Lika hat gesagt…

Amazon hat eben den richtigen Riecher. Mit Ratgebern und Sachbüchern können sie sich außerdem risikolos als Verlag entwickeln.
Übernimmt Amazon auch Lektorat und Korrektorat? Das ging aus dem Post nicht hervor.

Peter Marnet hat gesagt…

Lektorat werden die schon übernehmen. Du musst aber bedenken, dass der Autor zwei ähnliche Bestseller bereits geschrieben hat. Amazon findet also ein gemachtes Nest vor.

Irgendwie hast du aber recht: Die Betreuung im Vorfeld - nicht das Marketing - lässt Fragen offen.