(Ich weiß, es heißt DAS Blog. Aus klangästhethischen Gründen halte ich mich nicht daran. Auch wenn ich keine Gedichte schreibe, mache ich doch nicht jeden Unklang mit. Da ich aber stolz sagen darf, dass ich gerade die erste (?!) Blog-Rezension schreibe, nehme ich mir die Freiheit der Artikelwahl heraus.)
Der Blog Petra van Cronenburg ist rund um das Schreiben eines Buches geschrieben. Vorgestellt wird die Autorin als eine reale Person, die ihrem Buch einen Platz in der öffentlichen Aufmerksamkeit erobern will. Das Buch, um das es geht, hat alle Anlagen unbeachtet zu bleiben. Der Titel: 'Faszination Nijinsky. Annäherung an einen Mythos' beschreibt eigentlich schon das Problem, dem sich die Autorin stellt. Es geht um einen russischen Ballettänzer kaum ausprechbaren Namens, heute umfassend vergessen. Das Land ist fremd. Die Zeit ist fern. Ein Tänzer, von dem es nicht einmal eine Videoaufnahme gibt. Ein Mythos, der sich der Beschriftung entzieht. Mehr als eine Annäherung ist nicht möglich. Die Autorin versucht dem Internet, einem geradezu obsessiv vergesslichen Medium, den Wert und die Schönheit einer Antiquität nahe zu bringen.
Um diesen Mann und um das Buch über ihn geht es aber nur vordergründig in diesem Blog. Die Aufgabe, der sich die Autorin stellt, muss scheitern. Es geht nicht um den Erfolg, nicht um das Ziel. Es geht um Scheitern! Wen interessiert das Gelingen? Große Bücher werden über das Scheitern geschrieben. Es geht nicht um Nijinsky, es geht um die Autorin, die unterschwellig zweifelnd umso engagierter ihr Anliegen verfolgt. Es geht um die Liebe zu ihrem Buch, die uns klar und erlebbar wird, weil sie aussichtslos ist. Wie wenig sagt der Erfolg über uns aus! Die Niederlage aber hebt uns aus der Masse hervor.
Die Sprache ist geschliffen. Sorgfältig gewählt und gearbeitet. Dabei ist sie innig und warm. Sie lässt den Leser nicht los. Sie lässt keinen Zweifel zu, dass das Gesagte für ihn, den Leser, von Bedeutung ist. Die Bloggerin nähert sich dem Leben der Autorin nie tiefgründend. Oberflächlichkeit ist ihr erlaubt, da die Autorin immer und jederorts sie selbst ist, als wäre ihr jede Undeutlichkeit und Brüchigkeit abhanden gekommen. Als wolle die Bloggerin diese Intaktheit unter Beweis stellen, ändert sich der Blickwinkel auf die Autorin unablässig. Und doch hält der Sprachstil alle äußerliche Unruhe wie in einer großen tänzerischen Bewegung gefasst. Wenn ich diesen Blog vom Inhaltsblog unterscheide, habe wir es hier mit einem Formblog zu tun, in dem Sinne, dass der Stil einen höheren Stellenwert hat als die Aussage.
Warum habe ich gerade diesen Autorenblog hervorgehoben? Nehmen wir zum Vergleich den Blog Emily Bold, der auf ein andere Art gelungen ist. Er erfüllt seinen Zweck, Aufmerksamkeit und Interesse an ihren Büchern zu wecken. Der Blog Petra van Cronenburg dagegen ist auf eine Weise selbst fiktional, die ich sonst nicht gefunden habe. Die Bloggerin selbst ist eine Gestaltung, während Emily Bold eine reale Person, eine ehrgeizige Autorin, ist. Ihrem Blog fehlt gewollt die literarische Ebene. Sie hat das Anliegen, sich als Autorin vorzustellen. Dass sie Erfolg mit ihrern Büchern haben wird, ist durchaus vorstellbar. Dazu dient der Blog. Er ordnet sich unter. Der Blog Petra van Cronenburg ordnet sich nur scheinbar seiner Aufgabe unter. In Wirklichkeit hüllt er das Anliegen ein und macht es nebensächlich. Der Blog ist das Buch. Eine Autorin, die dem Lärm, der Vergesslichkeit, der Nachlässigkeit Einhalt gebieten will, um ihre absonderliche Kostbarkeit vorzustellen, ist selbst ein Kunstprodukt.
Die Indie-Szene in Deutschland ist noch klein. Wenige nur haben es geschafft, sich mit ihren Büchern in den Verkaufsrängen zu plazieren. Fast unbemerkt (von den Autoren selbst) ist mit ihren Blogs eine eigenständige und beachtete Kunstform entstanden. Der Blog Petra van Cronenburg ist nur ein, wenn auch ein besonderes Beispiel dafür.
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Sonntag, 4. September 2011
Sonntag, 21. August 2011
Rezensionsboerse die Zweite
Ich habe meine Rezensionsboerse geändert. Ab jetzt wird nicht mehr zum Rezensionstausch aufgerufen. Das war vermutlich eine schwachsinnige Idee, die viel Irritation über Gefälligkeitsrezensionen hervorgerufen hat. Autoren sollen Bücher schreiben, nicht rezensieren!
Weiterhin gut finde ich die Idee, dass sich die Indies den möglichen Rezensenten im Blogformat präsentieren. Dahinter stehe ich. Seht euch meine Rezension über African Boogie an. Ich finde die Darstellung ist attraktiv. Warum sollen nicht auch Indies ihr Buch so augengefällig darstellen?
Weiter gut finde ich die Idee, dem Rezensenten die Arbeit durch Kurzfassung, Inhaltsangabe und Personenverzeichnis (wie sie jeder Verlag verlangt) zu erleichtern. Mag sein, dass eine Arbeitserleichterung nicht der reinen Lehre entspricht, für eine Zunahme der Rezensionen ist sie sicherlich eine Voraussetzung.
Weiterhin gut finde ich die Idee, dass sich die Indies den möglichen Rezensenten im Blogformat präsentieren. Dahinter stehe ich. Seht euch meine Rezension über African Boogie an. Ich finde die Darstellung ist attraktiv. Warum sollen nicht auch Indies ihr Buch so augengefällig darstellen?
Weiter gut finde ich die Idee, dem Rezensenten die Arbeit durch Kurzfassung, Inhaltsangabe und Personenverzeichnis (wie sie jeder Verlag verlangt) zu erleichtern. Mag sein, dass eine Arbeitserleichterung nicht der reinen Lehre entspricht, für eine Zunahme der Rezensionen ist sie sicherlich eine Voraussetzung.
